Buchstellentag 2019:

Am 25.11.2019 lud der Service d`économie rurale (SER) zum diesjährigen Buchstellentag in Anwesenheit von Landwirtschaftsminister Romain Schneider ins Centre Turelbaach nach Mertzig ein.

Eröffnet wurde die Veranstaltung vom Direktor des SER, Pierre Treinen, der die Ehrengäste begrüßte und sich für das zahlreiche Erscheinen und bei den Mitarbeitern der Abteilung Buchführung und Beratung für die geleistete Arbeit bedankte. Anschließend stellte Sandra Brücher, Mitarbeiterin der Abteilung Buchführung und Beratung des SER, die Resultate des Testbetriebsnetzes für 2018 und eine Prognose für 2019 vor.

Im Jahr 2018 umfasst das Testbetriebsnetz 618 Betriebe und hat einen Gewichtungsfaktor von 2,18 um 1.346 landwirtschaftliche Betriebe in Luxemburg darzustellen. Mit dem Testbetriebsnetz werden die folgende Sparten abgedeckt:

- Ackerbau

- Weinbau

- Milchvieh

- Milch- / und Mastvieh

- Rinderaufzucht & Rindermast

- Veredelung

- Verbund

Im Durchschnitt haben die Betriebe einen Standard Output (SO) von 249.000€ (theoretischer, an Hand von Durchschnittwerten errechneter Produktionswert), bewirtschaften 88 ha landwirtschaftliche Nutzfläche und haben einen Arbeitskräftebesatz von 1,9 AK/Betrieb, wobei es sich dabei um 1,5 Familienarbeitskräfte, die nicht entlohnt sind, und 0,4 entlohnte Arbeitskräfte handelt.

Das ordentliche Ergebnis ist für den Durchschnittsbetrieb im Jahr 2018 auf 62.400€ im Vergleich zu 60.300€ im Vorjahr angestiegen. Die Prognose für 2019 liegt bei 63.800€ je Unternehmen.

Das ordentliche Ergebnis bereinigt den Gewinn um zeitraumfremde Erträge und Aufwendungen und ist somit eine Kennzahl, die den wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens zeitraumecht und bereinigt von äußeren Einflüssen darstellt. Bei dem Ordentlichen Ergebnis wird eine Betriebsunterteilung von Betrieben mit einem SO ≥ 75.000€ mit einem Ordentlichen Ergebnis von 72.900€ und einer Vergleichsgruppe von Betrieben mit einem SO von ≥ 25.000€ bis < 75.000€ mit einem Ordentlichen Ergebnis von 18.000€ vorgenommen.

Bei der näheren Betrachtung fallen aber große Differenzen beim Ordentlichen Ergebnis sowohl für die jeweilige Orientierung, als auch zwischen den einzelnen Jahren auf.

Im Bereich Ackerbau ist das ordentliche Ergebnis im Vergleich zu 2017 um 59 % auf 37.100€ pro Betrieb gestiegen. Im Folgejahr 2019 wird für das Ordentliche Ergebnis ein Rückgang von 11 % auf 33.000€ prognostiziert.

Die Weinbaubetriebe konnten sich auf 99.400€ verbessern und legten im Vergleich zum Vorjahr um 16 % zu. Dieser Aufwärtstrend bestätigt sich in 2019 aber nicht, denn hier liegt ein leichter Rückgang auf 89.000€ vor.

Die Milchviehgruppe verzeichnet einen Rückgang von 5 % gegenüber 2017 auf 85.800€, kann in 2019 aber mit einem leichten Anstieg auf 89.000€ rechnen.

Eine Steigerung von 52 % gegenüber dem Vorjahr auf 19.300€ konnte die Rinderaufzuchtgruppe feststellen, wobei hier festgestellt werden muss, dass dieses Ergebnis immer noch nicht zufriedenstellend sein kann. Auch im prognostizierten Jahr 2019 befindet sich das Ordentliche Ergebnis mit 19.700€ immer noch auf einem sehr niedrigen Wert.

Kombinierte Milch- und Mastviehbetriebe haben im Vergleich zu 2017 ihr Ordentliches Ergebnis um 38 % auf 59.400€ steigern können. Für 2019 wird ein ähnlich hoher Gewinn von 60.900€ erwartet.

In der Veredelung ist das Ordentliche Ergebnis gegenüber dem Jahr zuvor um 67 % auf 44.800€ gesunken, was vor allem auf geringere Preise für das Schweinefleisch zurückzuführen ist. Im Jahr 2019 ist hier aber mit einer Steigerung des Ordentlichen Ergebnisses auf 67.300€ zu rechnen.

Betrachtet man den Durchschnittsbetrieb, so wird jede nicht entlohnte Arbeitskraft mit durchschnittlich 41.600€ entlohnt.

Insgesamt lässt sich festhalten, dass seit 2017 eine stabile Marktsituation, mit Ausnahme vom Veredelungssektor, vorliegt und dieser Trend sich auch für 2019 abzeichnet.

Der Minister Romain Schneider hob auch noch einmal die Anstrengungen des Landwirtschaftssektors hervor und wies darauf hin, dass nach den Krisenjahren 2015 und 2016 solch überwiegend positiven Resultate wichtig sind um die Herausforderungen der Zukunft anzugehen und ein Konzept der „Landwirtschaft Plus“ weiterzuentwickeln.

Der Abteilungsleiter Marc Fiedler führte in das Thema des Gastredners ein und zeigte auf, dass Landwirtschaft nicht nur ein Verursacher von Treibhausgasemissionen ist, sondern maßgeblich von den Auswirkungen betroffen ist. Es ist in diesem Zusammenhang auf die Minimierung von N-Verlusten durch geeignete Ausbringmaßnahmen und Biogasanlagenaufwertung eingegangen. Weiteres Einsparpotential ist durch angepasste Fütterung, weidebasierte Haltungssysteme und eine Reduktion der Tieranzahl zu erreichen. Auch die biologische Landwirtschaft wird als Lösungsanteil gesehen, wo Herr Fiedler anhand der erfolgten Auswertung von biologischen Betrieben herausstellen konnte, dass diese Betriebe im Vergleich zu konventionellen Betrieben, bestehende Ressourcen effizienter nutzen.

Der Meteorologe der ASTA Dr. Andrew Ferrone, stellte die Auswirkungen des globalen Klimawandels für Luxemburg dar. In Luxemburg hat die durchschnittliche Jahrestemperatur, die seit 1838 in Luxemburg-Stadt gemessen wurde, bis 2018 um 1,3 °C zugenommen. Vergleicht man die Anzahl der Tage mit Starkniederschlägen so hat sich das Mittel von 1951-1980 von 15 Tagen auf 18 Tage im Mittel von 1891-2010 um 3 Tage erhöht. Anschließend hat Dr. Ferrone das meteorologische Messnetz der ASTA hingewiesen, das mittlerweile 32 automatisierte Wetterstationen verteilt über das ganze Land hat und die Grundlage für den Wetterbericht und die Wettervorhersage auf www.agrimeteo.lu bilden.

Als Gastredner hielt der promovierte Geoökologe Herr Dr. Hans-Martin Krause einen Vortrag über die Auswirkungen des Klimawandels. Herr Dr. Krause ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bodenkundeinstitut des Schweizer Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und erforscht die Rolle des Bodens im Kontext des Klimawandel. Seine Handlungsempfehlungen für die zukünftige Ausrichtung der Landwirtschaft in dem Punkt Diversifikation sind sowohl Änderungen der Sortenwahl, als auch neue Anbausysteme, wie z.B. Agroforstwirtschaft. Er unterstrich die Wichtigkeit von einer flächengebundenen Tierhaltung, da hiermit eine Humusaufbau in Böden zu erreichen ist, und gesunde Böden Speicher für CO2 darstellen. Außerdem muss eine Reduktion der Schadstoffbelastung und der Treibhausgasemissionen stattfinden. Der Minister hob ebenfalls in seinem Schlussplädoyer hervor, dass die Auswirkungen des Klimawandels große Herausforderungen für die Landwirtschaft darstellen und der Sektor unter der Zunahme der Wetterextreme leidet. Da er im Landwirtschaftssektor eine Schlüsselfunktion in der Einhaltung der Klimaziele sieht, freut er sich sehr über die Angebote aus dem Berufsstand, gemeinsame Lösungen auszuarbeiten.

Im Anschluss lud der Bürgermeister von Mertzig, Mike Poiré, zu einem geselligen Umtrunk ein.