Stallbau aktuell: Markushof - Mit konsequentem Management zur 15.000-Kilogramm-Herde

Spitzenleistungen in der Milchviehhaltung entstehen selten zufällig. Sie sind vielmehr das Ergebnis eines durchdachten Gesamtkonzeptes, das Tierwohl, Fütterung, Mitarbeiterführung und Betriebsmanagement gleichermaßen berücksichtigt. Wie ein solches Konzept in der Praxis erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigt der Markushof in Losheim am See. Der Milchviehbetrieb unter der Leitung von Henk van Wijk hat mit einer durchschnittlichen Milchleistung von 15.347 Kilogramm Milch je Kuh und Jahr eine beeindruckende Marke überschritten und zählt damit zu den leistungsstärksten Holstein-Herden Deutschlands.

Auf dem Betrieb werden derzeit 511 Milchkühe gehalten, die jährlich rund 7,2 Millionen Liter Milch mit Gehalten von 4,07 Prozent Fett und 3,49 Prozent Eiweiß erzeugen. Auch die Erstlaktierenden erreichen mit durchschnittlich 12.580 Kilogramm Milch ein außergewöhnlich hohes Leistungsniveau. Für Betriebsleiter Henk van Wijk steht jedoch fest, dass hinter diesen Ergebnissen keine Einzelmaßnahme steckt: „Die Leistung kommt aus dem täglichen, konsequenten Management und nicht aus einzelnen Maßnahmen.“

Moderne Milchproduktion auf 311 Hektar
Der Markushof bewirtschaftet insgesamt 311 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche. Davon entfallen 131 Hektar auf Ackerland und 180 Hektar auf Grünland, das sich in Wiesen und Mähweiden gliedert. Die Futtergrundlage für die Herde wird somit weitgehend auf den eigenen Flächen erzeugt.
Unterstützt wird der Betriebsleiter von insgesamt 16 Mitarbeitern. Die Herde wird dreimal täglich in einem 30er-Swing-Over-Melkstand gemolken. Trotz der hohen Tierzahl fällt auf dem Betrieb vor allem die ruhige Arbeitsatmosphäre auf. Klare Abläufe, fest definierte Verantwortlichkeiten und ein hohes Maß an Eigenverantwortung prägen den Arbeitsalltag.

Internationales Team als tragende Säule des Betriebserfolgs
Eine Besonderheit des Markushofs ist die internationale Zusammensetzung der Belegschaft. Mitarbeiter aus Tansania, Ghana, Uganda, Bosnien, Polen, Deutschland und den Niederlanden arbeiten hier gemeinsam an einem Ziel: gesunde Kühe und hohe Leistungen. Die Betriebssprache ist Englisch.
Für Henk van Wijk steht dabei der respektvolle Umgang miteinander im Mittelpunkt. Wertschätzung und Vertrauen bilden die Grundlage der Zusammenarbeit. Neue Mitarbeiter werden intensiv eingearbeitet, häufig über einen Zeitraum von mindestens sechs Monaten. Statt umfangreicher schriftlicher Arbeitsanweisungen setzt der Betriebsleiter auf praktische Schulung, klare Zuständigkeiten und eigenverantwortliches Arbeiten.
Besonders bemerkenswert ist die flache Hierarchie im Betrieb. Selbst die Herdenmanager übernehmen regelmäßig Melkschichten und bleiben dadurch eng mit den täglichen Abläufen verbunden. Gleichzeitig achtet die Betriebsleitung darauf, Überstunden möglichst zu vermeiden. Ausgeruhte Mitarbeiter arbeiten präziser und tragen maßgeblich zur Tiergesundheit und zum Betriebserfolg bei.
Dass gute Leistungen anerkannt werden, zeigt sich auch bei besonderen Erfolgen. Als die Herde erstmals die Marke von 15.000 Kilogramm Milchleistung überschritt, wurde dies gemeinsam mit dem gesamten Team gefeiert und durch Prämien honoriert.

Tierwohl durch großzügige Haltungsbedingungen
Neben motivierten Mitarbeitern sieht Henk van Wijk vor allem den Tierkomfort als wesentliche Voraussetzung für hohe Leistungen. Der Betrieb verfolgt bewusst eine Strategie der Unterbelegung. Die Tiere verfügen über deutlich mehr Platz als in vielen vergleichbaren Betrieben.
Besonders sichtbar wird dieses Konzept im neu errichteten Trockensteher- und Abkalbebereich. Dort stehen jeder Kuh durchschnittlich rund 25 Quadratmeter Bewegungsfläche zur Verfügung. Die großzügigen Platzverhältnisse fördern das natürliche Verhalten der Tiere und reduzieren Stresssituationen erheblich.
Auch der neue Abkalbebereich wurde konsequent auf Tierwohl ausgerichtet. Die Liegeflächen sind mit Stroh eingestreut und zusätzlich mit Dinkelspelzen versehen. Diese Kombination sorgt für eine trockene und hygienische Umgebung und reduziert gleichzeitig den Arbeitsaufwand bei der Entmistung.
Eine separate Abkalbegruppe für Färsen hält der Betriebsleiter nicht für notwendig. Durch das großzügige Platzangebot können die jüngeren Tiere den älteren Kühen problemlos ausweichen und gleichzeitig von deren Verhalten lernen.

Der hohe Kuhkomfort und viel Platz speigeln sich im neuen sehr geräumigen Abkalbestall wieder, der mit Strohpellets eingestreut wird.


Klimamanagement gewinnt zunehmend an Bedeutung
Einen weiteren Schwerpunkt bildet das Stallklima. Moderne Lüftungssysteme sorgen bereits ab 16 °C bei den laktierenden Kühen beziehungsweise ab 19 °C im Trockensteherbereich für eine verbesserte Luftzirkulation. Ergänzt wird das System durch Ventilatoren mit Vernebelung.
Die Investition zahlt sich nach Einschätzung des Betriebsleiters aus: Durch die verbesserte Kühlung konnte die Milchleistung insbesondere während warmer Perioden um zwei bis drei Liter Milch pro Kuh und Tag gesteigert werden.

Grasbetonte Fütterung als Fundament hoher Leistungen
Eine zentrale Rolle im Management des Markushofs spielt die Fütterung. Da sie den größten Kostenblock des Betriebes darstellt, beschäftigt sich Henk van Wijk intensiv mit der Rationsgestaltung. Die Futterrationen werden von ihm selbst berechnet und in enger Zusammenarbeit mit einem Fütterungsberater kontinuierlich überprüft.
Im Mittelpunkt steht dabei eine bewusst grasbetonte Fütterungsstrategie. Nach den Erfahrungen des Betriebsleiters lassen sich Kühe mit höheren Grasanteilen stabiler führen als bei sehr maisbetonten Rationen. Verfüttert werden ausschließlich die ersten drei Schnitte eines hochwertigen Ackergrases aus ein- und zweijährigen Weidelgräsern. Zielwerte bei der Silagebereitung sind Trockenmassegehalte zwischen 35 und 40 Prozent sowie eine Häcksellänge von etwa 15 Millimetern.
Die Ration der laktierenden Kühe setzt sich unter anderem aus Grassilage, Maissilage, Pressschnitzeln, Maisnachmehl, Rapsschrot und Mineralfutter zusammen. Daraus resultiert eine Trockenmasseaufnahme von durchschnittlich 28,1 Kilogramm pro Kuh und Tag.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Pansenstabilität. Regelmäßig werden die Strukturwirksamkeit der Ration sowie die physikalisch wirksame Faser (peNDF) kontrolliert. Zusätzlich dienen Milchharnstoffwerte als wichtiger Indikator für die Proteinversorgung der Tiere.
Zur digitalen Überwachung der Tiergesundheit setzt der Betrieb auf moderne Sensorsysteme. Mithilfe von SmaxTec-Boli können Veränderungen in der Futteraufnahme oder gesundheitliche Probleme frühzeitig erkannt werden.

Transitphase gezielt optimiert
Auch die Vorbereitungsgruppe und die Trockensteher werden intensiv betreut. Neben einer speziell angepassten Mischration erhalten die Tiere zusätzlich Heu aus zentral aufgestellten Heuraufen. Dadurch werden Bewegung und Aktivität gefördert.
Zur Vorbeugung von Milchfieber setzt der Betrieb auf den Einsatz eines Phosphorbinders. Ziel ist ein möglichst problemloser Übergang in die folgende Laktation und ein optimaler Start nach dem Abkalben.

Zucht auf Gesundheit, Leistung und Hornlosigkeit
Langfristige Leistungsfähigkeit beginnt auf dem Markushof bereits bei der Zucht. Angestrebt werden hornlose Holstein-Kühe mit hoher Lebensleistung, guter Gesundheit sowie hohen Fett- und Eiweißgehalten.
Bei der Bullenauswahl spielen funktionale Merkmale eine wichtige Rolle. Neben dem RZ-Euro achtet Henk van Wijk auf eine moderate Körpergröße, gute Körperkondition und langlebige Kühe.
Etwa 70 Prozent der Herde werden mit Fleischrassebullen besamt, die übrigen Tiere mit Holstein- oder Red-Holstein-Genetik. Der konsequente Einsatz hornloser Bullen ermöglicht es, auf das Enthornen der Kälber zu verzichten. Dies verbessert nicht nur das Tierwohl, sondern trägt nach Einschätzung des Betriebsleiters auch zu einer ungestörten Entwicklung der Jungtiere bei.

Intensive Kälberaufzucht als Basis für spätere Spitzenleistungen
Besonderen Wert legt der Betrieb auf die Aufzucht der Kälber. Bereits in den ersten 24 Lebensstunden erhalten die Tiere dreimal hochwertiges Kolostrum mit durchschnittlichen Brix-Werten von 26 bis 27. Diese intensive Erstversorgung bildet die Grundlage für eine stabile Gesundheit und hohe spätere Leistungen.
Anschließend werden die Kälber mit einem hochwertigen Milchaustauscher versorgt, der einen Fettgehalt von 27 Prozent aufweist. Die Tränkemengen werden schrittweise gesteigert, bevor die Tiere erst im Alter von 16 bis 18 Wochen abgesetzt werden.
Durch die intensive Versorgung erreichen die Kälber durchschnittliche Tageszunahmen von rund einem Kilogramm. Regelmäßige Gewichtskontrollen zeigen dabei eine sehr gleichmäßige Entwicklung der Tiere. Insgesamt arbeiten sechs bis sieben Mitarbeiter im Bereich der Kälberaufzucht – ein deutlicher Hinweis auf die hohe Priorität, die diesem Betriebszweig eingeräumt wird.

Erfolgreich durch konsequentes Systemmanagement
Der Markushof in Losheim verdeutlicht eindrucksvoll, dass Spitzenleistungen in der Milchviehhaltung nicht auf einzelnen Erfolgsfaktoren beruhen. Vielmehr entsteht der Erfolg aus dem konsequenten Zusammenspiel vieler Bausteine: motivierte Mitarbeiter, strukturierte Arbeitsabläufe, eine leistungsorientierte und zugleich stabile Fütterung, großzügige Haltungsbedingungen sowie eine intensive Jungtieraufzucht.
Mit seiner konsequenten Ausrichtung auf Tierwohl, Managementqualität und Wirtschaftlichkeit zeigt der Betrieb, dass hohe Milchleistungen und gesunde, langlebige Kühe kein Widerspruch sein müssen. Der Markushof liefert damit ein bemerkenswertes Beispiel für moderne und zukunftsorientierte Milchproduktion.